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(noch mal zur Info für alle :), Nein, wir bekommen kein Geld, sondern nur Essen und Schlafen.)
At first and over all I have to say:
Die Sizilianische Gastfreundschaft und unsere erste Familie...
...hat uns wirklich aus den Socken gehauen. Diese Leute und diese Kultur ist einfach der absolute Wahnsinn. Wir waren ja wirklich schon aufgeregt am Anfang, aber die Familie hat sich als ungeheuerlich zuckersüß entpuppt.
Orazio und seine Frau Letizia mit ihren zwei Kindern haben wirklich alles für uns gemacht, uns vollgestopft mit Essen und uns komplett in ihre Familie mit aufgenommen :).Wir haben sie sehr in unser Herz geschlossen.
Neben der Arbeit auf den Olivenfeldern waren wir sehr oft bei ihnen zum Essen oder sie haben einen ganzen Nachmittag mit uns „richtige“ Pizza gemacht oder uns die Stadt gezeigt oder über zwei Tage hinweg eine ganz besondere sizilienische Spezialität gebacken (Casadella)und uns ganz viele lustige Geschichten erzählt. Mehr dazu später.
Olivenernte ahoi!
Wer auch immer gesagt hat, Oliven ernten sei anstrengend, hat gelogen. Es ist sau leicht.
Sechs Stunden am Tag, die wir uns frei einteilen konnten, gingen wir auf unseren Platz aufs Feld und haben Oliven vom Baum gekämmt. Dazu lag ein Netz unter den Bäumen und wir hatten so eine Harke mit der wir die Äste gekämmt haben.
Orazio erklärte es folgendermaßen, während er andächtig den Baum kämmte:
„Stell dir vor, der Baum ist eine Frau mit langem Haar und du kämmst es!“ :) Ich hab voll den Lachanfall darüber bekommen.
Die Arbeit war voll geil und man konnte währenddessen in aller Ruhe über dies und jenes nachdenken oder sich sehr gut über allerlei unterhalten.
Die Unterkunft:
Ein weißes Häuschen ganz für uns allein mitten im Olivenhain am Fuße des Etnavulkans.
Wenn gutes Wetter war, konnten wir den Vulkan sehen auf dem gerade Schnee liegt und der die ganze Zeit raucht. Einmal träumte ich, er würde ausbrechen...Wir waren sehr abseits jeglicher Zivilisation und unsere einzigen Gefährten waren die Kühe mit ihren bimmelnden Glocken direkt vor unserem Haus,mit denen vor allem Jessi sehr schnell Bekanntschaft schloss(sie verstand sich als ultimative Kuhflüsterin und meinte, sie zu verstehen)
Jeden Morgen traten wir auf den Balkon in die frisch aufgegangene Sonne und von Zeit zu Zeit las ich den Kühen Gedichte von meiner Empore aus vor. Das Leben hier ist eine einzige Pracht!
Derweiteren Aktivitäten bestanden vorwiegend aus essen!! Wir haben fast jede sizilianische Köstlichkeit probiert, die dieses Land zu bieten hat. Jeden Tag bekamen wir neue Früchte vom alten Filippo aus dem Garten gebracht -besonders Ficcodinia - Kaktusfeigen, DIE typische sizilianische Frucht. Darüber hinaus unmengen an Pasta und Pizza! Ich habe noch nie in meinem ganzen langen Leben so viel gegessen!!! Jedes mal rollte ich aus Orazios Haus hinaus und konnte mich kaum mehr fortbewegen. Es war wirklich unglaublich, so vollgefressen war ich. Und jedes Mal gab es fünf verschiedene köstliche Gänge und ich lag abends fett und zufrieden in meinem Häuschen und konnte mich keinen Zentimeter mehr bewegen.
Am 11.11 war „San Martino – Castania e Vino“ - Feiertag. Wir wurden (surprise!) zu einem rießigen Essen mit Freunden eingeladen. Außer einer Menge Wein und Kastanien gab es noch ne Menge anderer Sachen und es war ein rundherum gelungener Abend,hrhr, an dem ich wieder einmal nach Hause rollte.
Am Sonntag veranstaltete Orazio ein Geschäftsessen, um neue Kunden für sein reines Olivenöl zu gewinnen. Es war fantastisch!
Als Location diente unser Haus, in dem sich dreißig Ölivenöl-fanatische Italiener tummelten und ein großes Fest feierten. Hauptattraktion dieses Spektakels waren Jessi und ich. Natürlich hatten wir uns auch vorgenommen unsrer deutsche Esskultutr etwas einzuführen und kündigten schon vorher groß unsre deutschen Spezialitäten „Apfelkuchen“ und „Knödel“ an. Wir hatten alles am Abend zuvor zubereitet. Als wir jedoch am nächsten Morgen mir der ganzen Meute unser Haus betraten, hatte sich unsere Knödel in rießige ekelhafte Schleimklumpen verwandelt. Dies störte die Italiener jedoch nicht im Geringsten und sie pilgerten alle heißhungrig an unserer „deutschen Spezialität“ vorbei. Jessi versuchte zu retten, was zu retten war, ich lachte und letztendlich war nichts mehr zu retten und vor den Augen der entsetzten Mannschaft musste wir alles wegwerfen. Dies verstanden sie überhaupt nicht und Orazio musste eine große öffentliche Ankündigung machen, dass unsere“Knödel“ wohl ins Wasser fallen würden. Es war sehr peinlich und sehr sehr lustig. Der ganze Mülleimer war später voll mit Schleim...:)
Ansonsten bestand das Geschäftsessen hauptsächlich aus tanzen,viel essen und singen. Jessi musste die Gitarre holen und ein Konzert geben während zwei andere wild dazu sangen und der Rest der Mannschaft begeistert in den Refrain einfiel. Danach fassten sich alle an den Händen und tanzten im Kreis im Hof und sangen ebenfalls dazu(wirklich und es war einfach urkomisch!) Alle machten begeistert Fotos von Jessi und mir und waren ganz aufgeregt (währen sie von Olivenöl triefende kleine Brote verzehrten) Die Sizilianer sind einfach der Hammer und wir schlossen viele liebe Bekanntschaften und lernten viel italienisch.
Am Sonntag fuhr ich mit Orazio nach Catania auf den Markt, um unser Öl zu verkaufen. Es war das reinste Hippie und Ökoparadies und es gab lauter Ökofrüchte und Kräuter und selbstgemachte Seifen und so weiter. Ich fühlte mich natürlich sehr wohl und wanderte fröhlich umher und schloss viele Hippiefreundschaften. Die Sonne brannte und da wir bereits morgens um sechs losfuhren sah ich die glutrote Sonne am Etna aufgehen und es sah total abgefahren aus. Abends hatten ich Sonnenbrand und war sehr braun.
Über das generelle Leben auf der Farm:
Ein großer Fluß fließt direkt vor unserem Haus und ist von einem Eukalyptuswald umgeben. Ich bekam eine Angelausrüstung und ging des öfteren fischen am paradisischen Fluß, was ich sehr liebte, besonders des abends nach vollendeter Arbeit. Ansonsten ist es warm und wenn wir nicht arbeiten sitzen wir auf der Couch, die wir vor die Tür in die Sonne geschoben haben, trinken Kaffee, lesen und schreiben Briefe.
Zur Abwechslung wandern wir durch die Gegend. Ich liebe dieses Leben so sehr. Es ist einfach – unkompliziert – und dreht sich tatsächlich um die wichtigen Sachen. Und vor allem, hat man Zeit. Seeeeeehr viel Zeit. Zum nachdenken und zum lesen und zum rumzuliegen.
Nicht nur das geile Wetter begeistert mich, sondern auch die lebendige Flora und Fauna. Ich habe Geckos, große Schlangen und allerlei sonderbare Tiere auf unserem Hof gesehen(außerdem haben wir uns eine sehr goldige Hundbande angeeignet, die uns tagtäglich begleitet)Am besten war die rießige fette Raupe(so groß wie meine Hand und sehr dick) und ein sehr seltener, giftgrüner Leguan, der sonst nur auf Vulkanen lebt und aussah wie ein Dinosaurier.(er war so groß wie der Balu!!)
Ich war ganz aus dem Häuschen.
Der Abschied:
Es war sehr dramatisch und voll süß. Wir haben diese Familie so lieb gewonnen, so dass beim Abschied viele Tränen flossen :) Wir werden sie sehr vermissen und uns immer gut an diese Zeit erinnern. Unsere erste Wwoofing-erfahrung war super und wir sind begeistert wie intensiv wir diese Kultur kennenlernen durften und ganz natürlich in ihren Alltag mit hinein genommen wurden. MILLE MILLE GRAZIE ORAZIO UND LETIZIA!!!
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